TU Dortmund

An der Fakultät BCI lernte ich Theorie und Praxis. Und von beidem viel! Die systematische Erhebung von Daten, der methodische Umgang mit Informationen, die schrittweise Berechnung von physikalischen und chemischen Zuständen, die komplexe Simulation von abstrakten Zusammenhängen; die Präparation von Mikroorganismen, die Messung von Drücken, Temperaturen, Konzentrationen und etlichen Parametern – all das geht nach jahrelangem Training in Fleisch und Blut über. Systematisch setzt man Rohre, Pumpen, Kessel, Reaktoren, Messgeräte und Computer zusammen, bringt Mikroorganismen, Feststoffe, Flüssigkeiten und Gase kontrolliert zusammen, und der Prozess lebt auf, wie man es sich vorher genau überlegt und ausgerechnet hat.

Die Kunst ist es, aus einer Idee einen großen Prozess zu erschaffen. Der Computer bewältigt vielleicht größere Datenmengen, aber die Leistung des Ingenieurs ist es, kreativ zu gestalten, Daten zu interpretieren, Vorgänge zu hinterfragen und den Sinn hinter den Verfahren zu begreifen. Menschen können beurteilen, was sie tun. Wir Ingenieure wollen Nachhaltigkeit erzielen. Wir übernehmen Verantwortung für die Gesellschaft, indem wir Produkte für Menschen entwickeln, damit sie besser und gesünder leben können. Das ist, was ich gelernt habe.

Bachelorstudium

Aller Anfang ist schwer. Das habe ich besonders heftig gespürt, als nach meinem Hausfrauen-Abitur und meiner Backpacking-Tour aus Thailand zurückkam. Ehrlichgesagt bin ich gar nicht klargekommen und die ersten Semester sang- und klanglos in vielen Fächern durchgefallen. Dennoch habe ich nie den Glauben an mich verloren, auch wenn scheinbar alle anderen schneller und besser studierten.

Grundlagen

Die Ausbildung an der Fakultät BCI war solide! Angehende Bio- und Chemieingenieure lernten zusammen die Grundlagen der höheren Mathematik, Physik und Chemie. Schritt für Schritt wurden dann die fachspezifischen Naturwissenschaftlichen  wie Strömungsmechanik, Thermodynamik, teilweise Elektrotechnik und Mechanik vertieft. Mit dem Rüstzeug haben wir dann anwendungsbezogenen Fächer wie thermische Verfahrenstechnik, mechanische Verfahrenstechnik, Bioverfahrenstechnik usw. gelernt. Gegen Mitte des Bachelorstudiums habe ich schon gemerkt, dass mich besonders die Prozessautomatisierung, Regelungstechnik und alles was irgendwie mit Computersimulationen zu tun hat besonders interessiert.

Praktika

Das Studium war sehr praxisnah ausgerichtet. Daher waren die Praktika ein elementarer Bestandteil der Ausbildung und nahmen etwa ein Drittel bis die Hälfte der Studienzeit in Anspruch. Die Arbeit in diversen Laboratorien und an Versuchsständen im größeren Maßstab gehörte zum Alltag. Und es ging um alles mögliche: Kernphysik, chemische und biochemische Katalyse, Optik, Gentechnik, Reaktordesign, Regelung, … ich werde mal eine Liste online stellen.

Gruppenarbeit

Ein Highlight im Bachelorstudium war Gruppenarbeit, in dem wir – eine Gruppe von 10 Studenten – eine industrielle Anlage für einen Industriepartner projektieren sollten. In nur 6 Wochen hatten wir ausgehend von einer Aufgabenstellung, die in 5 Sätzen gepresst war, theoretisch sehr detailliert eine Industrieanlage entworfen. Bei der Vorstellung im Unternehmen haben wir das Feedback erhalten, dass „unsere Anlage“ gar nicht mal so weit weg von der tatsächlichen Anlage war, die sie geplant hatten.

Im Anschluss an die Gruppenarbeit habe ich dann in kurzer Zeit mein Auslandssemester in Südkorea und mein Industriepraktikum in bei L’Oréal absolviert.

Masterstudium

Im Masterstudium habe ich mein Wissen in Prozessautomatisierung und Prozessmanagement vertieft. Ich hatte eigene größere Projekte und Verantwortung. Zum Beispiel die Entwicklung einer automatisierten Downstreameinheit. Außerdem hatte ich Studenten bei einem Praktikumsversuch betreut.

Anders als im Bachelorstudium habe ich mich im Masterstudium fast frei nach meinen Interessen entfalten können. Ich war gar nicht mehr auf Lerngruppen angewiesen. Verantwortliches Arbeiten ist wirklich etwas, was man erst im fortgeschrittenem Studium lernt. Sei es Verantwortung für sich selbst, Verantwortung für andere, Verantwortung für ein Projekt. Das Ergebnis dieses langen Prozesses war die Anfertigung der Masterarbeit. Mit der gesamten Routine, die ich über die Jahre entwickelt habe, war es dann gar nicht mehr so schwer, praktisches und theoretisches Arbeit so geschickt zu koordinieren.