CNU Südkorea

daejeon-1600Auf der Internetseite der TU Dortmund wurde eine Ausschreibung für eine Handvoll Partnerprogramme und Stipendien vorgestellt. Ich bewarb mich für das uni-weite Global Scholarship Program (GSP) und habe mich als einziger Student im Semester 2011/2012 erfolgreich durchgesetzt. Voller Freude begann für mich die Planungsphase, um nach meiner dreimonatigen Thailandreise wieder ein Land Asiens zu erkunden.
Ich flog um die halbe Welt nach Südkorea, genauer in die Stadt Daejeon, um an der Chungnam National University (CNU) zu studieren. Daejeon liegt im Landeszentrum und ist mit 1,5 Millionen Einwohnern die fünftgrößte Stadt des Landes.Was ist das besondere an der CNU? Sie ist eine große Campus-Uni mit einer Ausrichtung auf Natur- und Ingenieurwissenschaften, insbesondere die Biowissenschaften werden dort mit einer großen Fakultät vertreten und in der direkten Nachbarschaft liegt das renommierte KAIST – der Koreanischen Version des MIT und einer der besten Universitäten für Natur- und Ingenieurwissenschaften im Asiatischen Raum.
Ich absolvierte/belegte an der CNU Pflichtveranstaltungen, Vertiefungen und einen Teil des Studium Fundamentale. Neben der sehr guten fachlichen Ausbildung haben auch die Kultur und die Menschen zu diesem außergewöhnlichen Semester beigetragen. Koreas Gesellschaft ist kollektivistisch geprägt, deshalb ist man stets von Leuten umgeben, vielen Leuten. Ich habe Freundschaften geschlossen und wir haben vieles gemeinsam unternommen: Sport getrieben, Fußballspiele gesehen, auf Bergen wie dem Gyeryeongsan gewandert, auf der Sommerresidenz des Präsidenten am stillsten See des Landes spaziert, wo nur die Insekten leise zirpen, an Wochenenden „membership trainings“ mit lauter hochkomplexen Trinkspielen durchgemacht, Besuche in traditionellen Restaurants und nächtliches Bestellen von Hühnchen genossen, für Spiele in „gaming halls“ einige Wons verprasst…
Eine Auslandsreise bewirkt eine Fülle von Veränderungen. Man probiert Neues aus und lernt, über seinen Schatten zu springen. Das sieht man zum Beispiel an der koreanischen Küche. Ich aß landestypische Spezialitäten wie Seetang, Därme, Hühnermägen, Wirbelsäulen, Blutwürste, orange Fischeier, Entenfüße, fast auch Hundefleisch, frischen, noch zappelnden Tintenfisch und lächelte dabei sogar einmal widerwillig in die Kamera eines Fernsehsenders – ich konnte nicht herausfinden, was daraus wurde.
Während der ganzen Zeit lag mir ganz besonders der Sport am Herzen. Die Familie vor Ort war der studentische Taekwondo-Verein. Wir waren fast jeden Tag zusammen, trainierten innen und außen, aßen gemeinsam und reisten quer durch das Land, um bei Turnieren teilzunehmen. Englisch konnten die wenigsten aus dem Verein, man unterhielt sich auf Koreanisch oder mit Hand und Fuß – eben Tae-Kwon-Do, frei übersetzt der Weg von Hand und Fuß. Aber wir teilten uns die Betten, schliefen auf dem Fußboden und kämpften auf Turnieren gegen andere Teams. Das war ein riesiger Spaß!
Das Global Scholarship Program holte Menschen aus allen Ländern der Welt nach Daejeon: Frankreich, Türkei, Kanada, Japan, China, Singapur, Venezuela, Indien, Malaysia, Mongolei, USA. Mit vielen hatte ich zusammen Kurse, Projekte und Koreanisch-Unterricht. Mit meinem Freund Mehmet aus der Türkei habe ich eine Reise durch das Land unternommen, um alte stoische Burgen in Gjeongju zu bestaunen, wir besuchten buddhistische Tempel und Zeremonien und unterhielten uns mit Mönchen über Enthaltsamkeit. Das Wochenende in einer Jimjilbang war sehr erfrischend. Das ist kurz gesagt Sauna, Wellnessbad und Massenschlafsaal in einem, aber ist atmosphärisch weit vom Deutschen Wellnesstempel entfernt, mit dem wir eher Konsum und Lifestyle-Perfektionierung assoziieren.
Zum Schluss des Semesters im knackigen Winter organisierten einige des GSP eine letzte Reise nach Seoul, um die Tage gemeinschaftlich zu verbringen. Nach einem bewegenden Abschied, ging ich noch einmal nach Daejeon, um mich dort ebenfalls vom Taekwondo-Team zu verabschieden und reiste mit einer Menge wertvoller Erfahrungen zurück nach Deutschland.

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