Wie werden Ginkgo-Arzneimittel hergestellt?

Letzterns habe ich bei meiner Freundin eine Dose mit Gingko biloba Pillen entdeckt. Sie sagte, dass sie diese mal vor einer Prüfung einnahm und schilderte mir, dass sie krasse Träume danach hatte. Ich warf einen Blick auf die Inhaltsstoffe und fand in englischer Sprache einige Extrakte und Hilfsstoffe aufgelistet. Mich interessierte seitdem wie Ginkgo-Arzneitmittel wirken und wie sie hergestellt werden.

Nach meiner ersten Recherche stieß ich auf folgenden Videoausschnitt:

Aus dem kurzen Beitrag lassen sich folgende textuelle Informationen entnehmen

  • Es werden getrocknete Ginkgoblätter verwendet
  • Es gibt mehrere aufwendige Verfahren, in denen die medizinisch wirksamen Inhaltsstoffe gewonnen werden
  • Es werden 22t getrocknete Gingkoblätter pro woche prozessiert
  • Für die Qualitätskontrolle wird im Labor die Aceton-Gikgomaische zentrifugiert und gefiltert
    • Das Filtrat wird mit einer Dünnschicht-Chromatografie (DC) analysiert
    • Zusaätzlich werden die DC-Proben photometrisch auf die Identität und Zusammensetzung der Ginkgo-Flavonglycoside analysiert
    • Ginkgo-Flavonglycoside sind eine von über hundert Gruppe, welche in diesen Ginkgoextrakten vorkommen
  • Weitere Verfahrensschrite sind
    • Pulversierung, (Granulation)
    • Tablettierung von 200000 Tabletten pro Stunde in einer Exzenterpresse
    • Beschichtung im Rotationszylinder

In einem anderen Beitrag werden problematische Inhaltsstoffe thematisiert

  • Problematisch ist die in Gikgoextrakt enthaltene Ginkgolsäure, welche filtriert werden muss
    • In Arzneimitteln dürfen maximal 5 ppm enthalten sein
    • Im Labor werden ethanolische Extrakte gaschromatografisch analysiert
    • In Tees werden die Grenzwerte um den Faktor 100-900 überschritten
    • Man muss davon ausgehen, dass Ginkgolsäure schlecht wasserlöslich ist

In diesem Video werden noch einige Wirkungen und Nebenwirkungen besprochen


Mit diesen Informationen lassen sich einige Anhaltspunkte für die Prozesschritte identifizieren. Damit kann man grob zusammen puzzlen, welche Abteilungen es gibt (Agrarfläche, Produktionshalle, Qualitätskontrolle, Verpackung, Leitwarte, Aufenthaltsräume usw.), welche Prozessschritte genutzt werden können (Extraktion, Trocknung, Filtration, Pulverisierung, Tablettierung, Beschichtung, Verpacken, …), welche Edukte, Intermediate und Produkte verarbeitet werden (getrocknete Blätter, Trockenextrakt, Elixier, Pulver), welche Prozessmedien dazu verwendet werden (Aceton, Ethanol, Heißluft). Außerdem kann man etwas über die Randbedingungen erfahren, welche Stoffe im Verlauf des Prozesses agbetrennt werden müssen (Ginkgolsäure, Aceton). Es lassen sich grob Massenbilanzen abschätzen. Aus den Mengen der eingesetzten Masse (22t getrocknete Blätter pro Woche), der Anzahl der Produktionsrate (200000 Tabletten pro Stunde), dem Vergleich der Ginkgolsäure in Extrakt (5 ppm) und Tee (=> 500-4500 ppm) bekommt man eine Idee, was im Prozess umgesetzt wird. Vergleicht man noch die Inhaltsangaben auf der Packung, erhält man Informationen über die Hilfsstoffe. Wenn man noch Informationen zum Feuchtigkeitsgehalt der trockenen, Ausbeute der der einzelnen Schritte etc. einbeziehen will, kann man die Sache immer komplexer gestalten.


 

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