Thymianextrakt ist ein selbstgemachtes Arzneimittel

Thymian ist ein beliebtes Kraut in der Küche, da es aufgrund seiner ätherischen Öle ein angenehmes Aroma liefert. Diese sind aber auch von medizinischem Nutzen, da die Öle pharmakologisch wirksame Terpenoide und Polyphenole beinhalten. In der pharmazeutischen Industrie werden aus speziellen Kulturpflanzen Arzneimittel hergestellt. Mit seinem Thymian Gartenkraut und dem Spirituosenfachmann seines Vertrauens kann man auch selber tätig werden.

Eine Möglichkeit, die Inhaltsstoffe aus der Pflanze zu bekommen, ist die Extraktion. Als Lösungsmittel eignet sich dafür Ethanol, also Trinkalkohol. Üblicherweise werden für Extraktionen Mischungen von Alkohol und Wasser verwendet. Außerdem kommen noch Hilfsstoffe zum Einsatz, worauf ich aber in diesem Fall verzichte. Oft wird 70 %-iger Alkohol verwendet.
Dabei handelte es sich um eine Mischung, die z.B. 70 mL Alkohol in 100 mL Wasser enthält. Aber Vorsicht: Neben dem Alkohol sind nicht etwa 30 mL Wasser enthalten, sondern 33,31 mL! Das liegt an dem so genannten Exzessvolumen. Damit ist nicht etwa der Exzess gemeint, den man nach dem Genuss eines Getränks mit so einem hohen Alkoholanteil erfahren würde.

Punkt 6 aus dem Beipackzettel von Bronchicum Tropfen: Zusammensetzung

Nein, damit ist der Volumenanteil gemeint, der entweder scheinbar hinzukommt oder abnimmt, wenn man von zwei Flüssigkeiten definierte Volumina zusammenkippt. Das liegt grob gesagt an der Mischbarkeit der Flüssigkeiten ineinander. Das mag im kleinen Maßstab vielleicht unwichtig sein, ist man aber ein Produzent von beispielsweise Hustensaft und stellt tonnenweise Hustensaft her, kann es unter Umständen unangenehm werden, wenn man plötzlich mehr Rohstoffe braucht als man auf den ersten Blick vermuten würde.

Um jetzt ein gutes Extrakt zu bekommen, ist es nötig dem Lösungsmittel eine große Austauschfläche zu bieten. Daher habe ich die gepflückten Thymian-Pflanzenteile mit einem Pürierstab zerkleinert und in ein braunes Apothekerglas gegeben. Das braune Apothekerglas schützt den Inhalt vor zersetzenden UV-Strahlen. Das Extraktionsmittel kann nun die Inhaltsstoffe aufnehmen. Es stellt sich schnell ein Gleichgewicht an der Austauschfläche ein, wo das Extraktionsmittel mit Inhaltsstoffen gesättigt ist. Es ist wichtig für eine gute Durchmischung zu sorgen, damit die Extraktion schnell vonstattengeht. Aus diesem Grund habe ich das Glas mehrmals am Tag geschwenkt.

Nach drei Tagen und mehrmaligem Schwenken kann angenommen werden, dass die Extraktion erschöpfend verlaufen ist. Der nächste Schritt ist die Aufarbeitung, konkret die Entfernung der Feststoffe. Dafür habe ich den Inhalt des einen Glases über einen Trichter mit Faltenfilter in ein weiteres Glas überführt.

Mir war selber vorher nicht so klar, dass das Extrakt am Ende so krass grün ist. Fast so grün, als wenn man mit einem Pinsel minutenlang in dem dunkelgrünen Töpfchen seines Farbkastens gerührt und richtig dick aufgetragen hätte. Und selbst als ich drei Teelöffel auf ein Glas Wasser verdünnt hatte, sah die Lösung immer noch so aus, als wenn man gerade ein Knicklicht aktiviert hätte.

Kommen wir zum Härtetest: Geschmack und Wirkung. Der Grund warum ich das Ganze mache, ist dass ich meine eigene einfache Arznei herstellen wollte, um etwas die gelegentlichen Beschwerden mit meinen Bronchien zu lindern. Ich habe zuerst ein kleines Schlückchen genommen und war erstaunt über den Geschmack. Er war anders als man ihn von dem reinen Gewürz im Essen kennt. Diese Gewürz-Komponente war natürlich auch dominant enthalten, daneben habe ich noch weitere Noten erkannt, die von schwer-holzig bis flüchtig-stechend reichten. Also ein Spektrum von ätherischen Ölen, viel differenzierter und ohne den – ich sag mal plump – Geruch von zerriebenen Pflanzen. In dem Augenblick habe ich gemerkt, wie gut Alkohol sich als Extraktionsmittel eignet, um Naturstoffe aus Pflanzen zu extrahieren.

Und ob es eine messbare Wirkung hat, vermag ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu sagen. Es fühlt sich für mich subjektiv jedenfalls so an, als wenn ich durch die Einnahme der Lösung meine Beschwerden etwas lindern konnte. Natürlich kann es auch sein, dass vordergründig die Wirkung des Alkohols eingetreten ist. Man darf nicht vergessen, hierbei handelt es sich um einen alkoholischen Auszug. Selbst das Glas mit der verdünnten Lösung weist noch ca. 2 % Alkohol auf, was in der Menge vergleichbar ist mit einem Glas Kölsch.

Daher ist unbedingt zu beachten, dass diese selbst hergestellte Arznei nicht für Kinder und Heranwachsende sowie für vorbelastete Personen geeignet ist, da die Einnahme zu unerwünschten Nebenwirkungen führen könnte. Außerdem ist darauf hinzuweisen, dass in dem Auszug ätherische Öle in konzentrierter Form zu finden sind. Sieht man sich mal die Etiketten diverser ätherischer Öle im Handel an, stellt man fest, dass dort oft Kennzeichnungen wie ätzend, umweltgefährlich, oder anderweitig gefährlich angegeben sind. In jedem Falle ist Vorsicht geboten, wenn man sich mithilfe der Verfahrenstechnik an die Gewinnung von Naturstoffen macht, die in der Natur nur in geringen Mengen vorkommen. Denn wie heißt es gleich so schön, die Dosis macht das Gift. In diesem Sinne beende ich meinen langen Beitrag zur Thymianextraktion und bedanke mich fürs Lesen.

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